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Oliver Fröschke – Top 10 Chansons Juli 2004
1) Katerine & Hélèna “Euro 04“ – “Qui va gagner l’Euro?“, “Portugal“, “Non, la France“ ,“Non, Portugal“
2) Stefie Shock “ Un Homme à la Mer“ – Eine franko-kanadische Entdeckung
3) Julien Ribot “Fille #70“ – Grenzwertiger Discoklopper im Geiste von Frank Farian
4) Jérôme Minière (feat. Lhasa) “Un Magasin Qui N’Existe Pas“ – Atmosphärisches Stück von Minières neuem Projekts: “Chez Herri Kopter“
5) H.O.M.E. (Benjamin Biolay & Chiara Mastroianni) “Folle de Toi“ – Das perfekt ausgedachte Album eines perfekt ausgedachten Traumpaars. Daraus das am perfektesten ausgedachte Stück
6) Thierry Stremler “La Societé“ – ein 70er Jahre Mainstream-Gassenhauer, 2003 erfunden
7) Vincent Delerm & Keren Ann “Tout Doucement“ – Brillantes Cover des schauerlichen 80er-Hits vom One-Hit-Wonder Bibie
8) Hélèna “C’est Parapluie“ – Nachkolorierte Postkartengrüße aus Cherbourg, wo es naturgemäß regnet
9) Dominique A “Revenir Au Monde“ – War eigentlich als Komposition für Jane Birkin gedacht (wenn die sich mal früher gemeldet hätte)
10) Bertrand Louis “Je Bégaye“ – Dreister Ohrwurm fläzt sich im Fake-Reggae Bett
 
Rolf Witteler – Die besten Alben der "Nouvelle Scène Française"
Thierry Stremler – Tout Est Relatif
Meine Lieblingsplatte von der ganzen Bagage. Zwar ist Boogaerts poppiger, Dominique A deeper und Katerine innovativer, doch das hier ist das perfekte Album. Trotz schmaler Instrumentierung eine sehr intensive Produktion (für die vor allem Pascal Colomb verantwortlich war). Warmer Sound und hervorragendes Songwriting. Unfassbar, dass der Mann zur Zeit keinen Plattenvertrag hat.
Albin de la Simone – S/T
Die Überraschung 2003: De la Simone war bis dahin nur als Studio- und Bühnen-Musiker aufgefallen (u.a. M, Mathieu Boogaerts, Stremler). Mit seinem Debüt schließt er die Lücke zwischen Boogaerts und Katerine. Sehr sorgfältig produziert und arrangiert. Ein Album, dass - wenn es dieses Adjektiv gäbe - sehr "le pop" ist.
Dominque A – La memoire neuve
Meisterwerk. Hier findet man die größte Anhäufung brillanter Dominique A-Songs, u.a. seinen größten Hit "Le twenty-two bar" im Duett mit seiner damaligen Freundin Françoiz Brrrr. Ané hatte hiernach eine heftige Krise, weil er die berechtigte Angst hatte, ein Superstar zu werden. Um das zu verhindern, nahm er als nächstes eine Depri-Platte mit Pornography-Qualitäten auf. Das Vorhaben gelang (leider).
Françoiz Breut – Vingt à trente mille jours
Der alte Standardspruch "It's the singer, not the song" fällt mir dazu ein. Obwohl dieses Album sehr viele verschiedene Autoren, Musiker und Produzenten hat, ist es doch so stimmig weil sie alle – ob sie nun von Calexico sind oder Katerine bzw. Minière heißen – für DIE Ikone des Nouvelle Chanson ihr Bestes geben. Ihre Stimme ist hier noch beeindruckender als beim komplett von Dominque A produzierten Debüt. Der hat hier jedoch wieder eins der besten Stücke aller Zeiten geschrieben: "Si tu disais". Zu finden auf Le Pop (die erste).
Jérôme Minière – Petit Cosmonaute
Lange das Nesthäkchen im Lithium-Stall und im Schatten der großen Namen, gelingt Minière hier die Emanzipation als Künstler. Die Luft in seiner neuen Heimat Kanada scheint frischer zu sein, die Songs sind luftiger und lockerer arrangiert. "Arpenter" ist neben dem "Le Pop 2" Beitrag "Les Yeux Tout Autour de la Tête" mein Lieblingsstück. Sein altes Label ist pleite, sein kleines kanadisches Label La Tribu hat dafür jetzt einen kleinen Star, der sogar bei Awards abräumt.
Mathieu Boogaerts – Super
Boogaerts Debüt ist ein ewiger Favorit. Das ist die Platte mit "Ondulé", minimalistisch instrumentiert aber dafür fein und knackig. Wenn Manu Chao mehr Pop und weniger Attack wäre, dann würde er so klingen wie Boogaerts.
Mathieu Boogaerts – 2000
Japaner haben keinen Geschmack, anders kann ich mir nicht erklären warum "2000" in Japan schlechter ankam als die ersten beiden Platten von Boogaerts. Das Album hat etwas weniger Reggae-Einflüsse, dafür mehr afrikanische Elemente. Rhythmus und Song vereint er wie kein anderer. Neben "L'Espace" heißt hier mein Coup de Cœur "Dom".
Pascal Parisot – "Rumba" und "Wonderful"
Braucht man nicht getrennt zu empfehlen, weil sich beide Platten stilistisch sehr ähneln. Parisot hat für manche Franzosen zu viel Humor, bei mir kommt davon gerade genug an. Soundtechnisch sind Stücke wie "Ça Alors" und "Wonderful" Lehrstücke moderner Popproduktion. Wer ihn live gesehen hat weiß, dass seine Frau und Begleitmusikerin Fréderique genauso viel kann wie ihr Gatte.
Thierry Stremler – Merci pour l'enquete
Der skurrile Crooner greift hier voll an. Fett arrangierte Song und große Gesten. Zum Sterben schöner Pop mit viel Humor, Herz und Geigen.
Vincent Delerm – Kensington Square
Die Puristen ziehen das Debüt vor. Mir gefällt Delerm hier besser, weil er a) lockerer und b) poppiger ist. Delerm nutzt übrigens seinen Ruhm um für seinen alten Kumpel Thierry Stremler zu kämpfen und hat ihn jüngst gegen einen üblen Radiomoderator verteidigt. Dafür noch einen Extrapunkt. Dafür, dass er zugibt, nicht singen zu können, noch einen. Delerm hat sich übrigens wie ein Schneekönig über "Le Pop 2" gefreut.
Dominique A – Auguri
Nach dem Depri-Monster "Remué" die gelungene Rückkehr zu alter Stärke. Ab und an versteckt er sich zwar immer noch hinter Gitarrenwänden, bezaubernde Melodien und glasklarer Gesang gewinnen jedoch die Oberhand.
Katerine – alles und nichts
So wichtig er ist, so schwierig ist es auch nur ein Album zu empfehlen. Philippe Katerine ist als Sänger und Komponist stilbildend, jedoch zu eigensinnig für eine runde Produktion. Vielleicht gerade deshalb so toll, weil man sich jede Platte erarbeiten muss.
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