FREDDA - L'Ancolie

Release: 15.03.2012

Format: CD, Download

Tracks: 12

Catalogue:

LPM 35-2 (CD)


TRACKS

Morin Heights

Journal Intime

Il ne me reste

L'Ancolie

Pas de jour

Les flots bleus

Fenêtre à Collioure

Vatanen

Constant

Rugir Noel

Fleur d'ennui

Little Brats


Poesie in musikalischer Reinform

Frankophone Popmusik mit femininem Charme hat es dieser Tage leicht, auch im Ausland zu punkten. Cœur de pirate, Zaz, Françoiz Breut, Camille und Coralie Clément sind längst auch in Deutschland etablierte Künstler. Doch wer die Welle genau untersucht, stellt schnell fest: jede dieser Künstlerinnen ist einzigartig, was Sound, Melodie und Stimme angeht. Die Pariser Sängerin und Songwriterin Fredda hat außerordentlich gute Chancen, diesem exklusiven Kreis beizutreten, denn mit ihrem neuen Album „L’ancolie“ ist ihr ein großer Wurf gelungen. Unvergleichlich schön verzaubert sie mit ihren stilistisch einzigartigen Chansons den Hörer. „L’ancolie“ zelebriert das Album als musikalische Kunstform – ausbalanciert bis ins letzte Detail. Melancholisch, wie der florale Titel (zu deutsch „die Akelei“) es phonetisch andeutet, aber auf verführerische und betörende Art und Weise.

Unüberhörbar sind die musikalischen Einflüsse und Hörgewohnheiten von Fredda. Stilistische Vorbilder fand sie in Folk-Sängerinnen wie Karen Dalton und Vashti Bunyan – aber auch und ganz besonders in der traditionellen Musik der Appalachen. Und auch zarte Blues-Anleihen sind auf „L’ancolie“ zu finden. Fredda macht daraus, nicht nur wegen der französischen Sprache, eine neue Form des Chansons – ein organisch klingendes Amalgam, das genannte Einflüsse einbindet ohne sie übermäßig zu betonen. Eine geradezu klassische Vorhergehensweise für das Chanson: Inspirationen von außen sind immer willkommen, doch Fredda nimmt sie auf wie Fäden und webt sie in ihre eigene zeitgenössische Lesart des Chanson mit ein, die sie mit französischen Traditionen verbindet. Besonders die romantischen Dichter des 19. Jahrhunderts wie Gérard de Nerval und Guillaume Appolinaire, die in ihrer Poesie ebenfalls die titelgebende Blume als Motiv benutzten, haben Texte und musikalische Sprache mitgeprägt.

Die Poesie von Freddas Sprache geht in ihre Musik über – hörbar auch für die, die kein Wort Französisch verstehen. Die subtilen Arrangements, die Verwendung akustischer Instrumente – neben ihrer Gitarre auch Banjo, Kontrabass und dezente Percussion – und vor allem ihr akzentuierter Gesangsstil tragen die romantische Grundstimmung, für die sie keine bessere Metapher finden konnte als den Namen einer Blume. „L’ancolie“ ist eine schwelgerische Liebeserklärung an die melancholischen Momente des Lebens. Eine Melancholie wie sie französischer – und verführerischer – kaum sein könnte.

Das musikalische Blumenbeet von Fredda hält trotz des zentralen Themas viele beschwingte Momente bereit. Allen voran die Single „Il ne me reste“, das davon erzählt, welch innere Hektik entstehen kann, wenn man entdeckt, einen perfekten Tag erwischt zu haben. „Morin Heights“ ist der ideale Soundtrack für einen Sommertag – entspannt swingend, getragen von einer wunderbaren Kontrabass-Figur. „Fênetre à Collioure“ ist dem gleichnamigen Bild von Henri Matisse gewidmet. Fredda hat es anlässlich einer Ausstellung im New Yorker Museum Of Modern Art geschrieben und dort zuerst aufgeführt. Das Stück fängt die Faszination und die Stimmung, die vom Gemälde ausgeht perfekt ein. „Pas de jour“, ein mittelschneller Walzer mit hypnotischer Wirkung zelebriert die Freude an der Unvernunft. „Les flots bleues“ dagegen ist ein Abschiedsgruß ans Mittelmeer. Sie singt „Ein letztes Mal, diese blauen Fluten sehen, die ich so sehr liebe“ und klingt dabei doch erleichtert und froh. Typisch Fredda: Was wie ein Widerspruch wirkt, löst sich bei ihr musikalisch auf und macht auf wunderbare Weise in gesungener Form Sinn.

Für „L’ancolie“ wurde Freddas Küche von zum Studio umfunktioniert, was die unmittelbare Wirkung dieses ganz eigenen Sounds noch steigert. Der Gesang wurde im Pariser Accousti-Studio von Alain Cluzeau aufgenommen.

Das Booklet der deutschen Ausgabe von „L’ancolie“ enthält neben den Originaltexten auch deutsche Übersetzungen.

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