-M- aka Matthieu Chedid - ÎL

Release: 06.09.2013

Format: CD

Tracks: 12

Catalogue:

LPM 40-2 (CD)


TRACKS

Elle

Les film

Mojo

Laisse aller

Baîa

Faites-moi souffrir

Machine

La vie tue

La grosse bombe

La maison de Saraî

Océan

Oualé


M auf retrofuturistischer Mission

Im Laufe der vergangenen 15 Jahre ist M aka Matthieu Chedid zum wahrscheinlich größten Star der frankophonen Szene geworden. Er füllt in Frankreich Stadien. Zum Auftakt seiner Promo-Kampagne zum aktuellen Album "Îl" spielte er einen Überraschungsgig in der Pariser Metro – die Folge: Verkehrschaos. Bei einer spontanen Minitour in Deutschland im März 2013 sorgten allein die französischen Fans für volle Häuser. Mit "Îl" legt Matthieu Chedid aka M nun ein Album vor, mit der er auch seine deutsche Fangemeinde vergrößern will. Und dazu ist alles angerichtet. Vorbei an der Konformität des Mainstreams gelingt es Chedid, fantastisches Songwriting massenwirksam umzusetzen. Erfolg und Niveau, ein Spagat, der M spielend gelingt. Er integriert Rock, Funk, Soul, Blues, Chanson und Ethno-Beat und schafft zusammen mit seiner signifikanten Stimme einen unverwechselbaren Sound.

Beim Start unserer Compilation-Serie "Le Pop" 2002 war Matthieu Chedid eins der Talente, die wir ausgruben. Auf einer Stufe mit unseren Helden wie seinem alten Jugendfreund Mathieu Boogaerts, noch nicht so bekannt wie Dominique A oder Benjamin Biolay. Heute ist das anders. Auch wenn nahezu alle Künstler dieser Tage immer noch erfolgreich aktiv sind, ist aus Chedid, der sich den Bühnennamen M gegeben hat, die bekannteste Figur seiner Generation geworden.

Das Alter Ego M hat er sich zugelegt, um Distanz zu seinem Vater, dem bekannten Chansonnier Louis Chedid, zu schaffen. Auch mit der Tradition des Vaters hatte Matthieu Chedid wenig am Hut. Sein Ziel war es von Anfang an, seine Songs auf die großen Rockbühnen und nicht in die Theater der Varieté Française zu bringen. Die Bühnenfigur M wurde durch Comics, die ihn wie viele junge Franzosen in seiner Kindheit sehr beeinflusst haben, inspiriert. Dazu passen seine glamourösen Show-Outfits, aufwendige Bühnengestaltungen und – ohne die wird er kaum erkannt – eine Frisur in Form des Buchstabens M. "Wenn ich auf der Bühne bin, dann bin ich in einer Rolle, das Publikum spielt Publikum, Matthieu spielt M, jeder spielt eine Rolle, und mir selbst ermöglicht das, eine gesunde Distanz zur Welt der Pailletten zu wahren." Eine Distanz, die auch musikalische Auswirkungen hat, wie uns Chedid im Interview verrät: "'Alles was tief ist, liebt die Maske' sagt Nietzsche. Da ist was dran. Die Maske M erlaubt es mir tiefer zu gehen, als ich es als Matthieu könnte.“

Die Figur –M– hat Chedid von Beginn an durch ausgedehnte Tourneen in die frankophone Welt getragen. Und seine Auftritte haben dafür gesorgt, dass sich sein Ruhm stetig mehrte. "Ich gebe eher Shows als Konzerte. Ich bin kein Chansonnier, sondern eine Rampensau", sagt Chedid, der sich selbst als Performance-Künstler begreift. Über die letzten 15 Jahre seiner erstaunlichen Karriere ist er sich und seinem Konzept treu geblieben. Er hat die Marke M im Musikgeschäft etabliert, ohne den Fehler zu begehen, sich zu wiederholen. Dass er in dieser Zeit "nur" fünf Studioalben herausbrachte, liegt an seinen vielen Nebenjobs, Kollaborationen (mit u.a. Amadou & Miriam, Vanessa Paradis, Sean Lennon, Brigitte Fontaine, Loulou Gainsbourg, Johnny Halliday) und einer besonderen Akribie, mit der er sich seinen Studioaufnahmen widmet. Ein Vorgehen, das ihm in seiner Karriere bereits zehn (!) Victoires de la Musique (französischer Grammy) eingebracht hat. Er schrieb die Musik zu Kinofilmen (u.a. "Les Triplettes de Bellevilles" und "Un monstre à Paris") und wirkte an Bühnenstücken wie "Le soldat rose" und "Les Saisons de passage" mit. Diese ständige Beschäftigung mit neuen Themen ist ihm besonders wichtig: "Das alles ist Futter für die Seele. Bewusst oder unbewusst findet alles seinen Weg in meine Musik."

Und auf diesem Weg ist er nun bei "Îl" gelandet. Der Titel ist eine wortspielhafte Verknüpfung von "il" (er) und "île" (Insel) und symbolisiert für ihn ein neues musikalisches Territorium, das er mit dem Album betreten wollte. "Ich muss mich selbst immer überraschen. Das heißt, dass ich jedes Album in einer neuen Klangfarbe machen will, neue Welten erschließen möchte. Mit der neuen Platte wollte ich ein 'retro-futuristisches' Album machen. Einerseits mit einem sehr organischen Klang, angelehnt an die Musik, die wir alle sehr mögen, diese warmen Klänge der Musik der 60er und 70er Jahre (..).. Und gleichzeitig wollte ich einen sehr zeitgenössischen Sound, den elektronische Instrumente und neue Geräte erzeugen. Das Elektronisieren meiner Musik, das war das eigentliche Ziel dieses Albums."

Beispielhaft dafür ist die Single "Mojo", eine Hommage an die Zeit der französischen YéYé-Epoche mit funky-rockigem Groove, die stilistisch einen Bogen von Rave bis Electropunk schlägt. Eine ideale Vorlage für Remixe von Willi Moon und C2C (beide hier: https://soundcloud.com/label-barclay/sets/m-mojo-remixes). Doch allein schon der Originalmix lässt verstehen, warum Chedid und seine Musiker im Studio spontan einen passenden Tanz zum Stück entwickelten, den man auch im dazugehörigen Video bewundern kann. Durchgängig ist diese neue Welt von "Îl" von einer unvergleichlichen Energie durchzogen. In jedem Song findet sich die perfekte Balance zwischen rhythmischen und melodischen Ideen, wie beim Off-Beat von "Le Film", dem Sommerhit "Baia", dem vertrackten "Laisse Aller", dem fingerschnippenden "Faites-Moi Souffrir", dem dubbigen "Machine" bis zum swingenden "La maison de Sarai".

Chedid sagt, sein neues Album sei dasjenige seiner Karriere, das amerikanischer und englischer Popmusik am nächsten sei. Für ihn nicht nur deswegen auch das ideale Album, um damit vermehrt ins Ausland zu gehen. Und so ist er auch bald wieder in England, Deutschland und Holland unterwegs. Für ihn ist das in einer schon sehr erfolgreichen Karriere ein weiterer Schritt: "Ich mag Herausforderungen und Experimente, und daher wollte ich mich der Frage stellen, ob es möglich ist, mit der französischen Sprache auf Reisen zu gehen. Natürlich gibt es einige, die es vorgemacht haben. Und außerdem bin ich ja letzten Endes Musiker, das bedeutet, dass egal, wo auf der Welt ich meine Gitarre raushole, ich über Musik kommuniziere. Ich weiß also, dass ich zumindest über meine Musik verstanden werden kann. Vielleicht nicht mit meinen Worten, aber über die Musik, soviel ist sicher."

Diese Ausgabe von "Îl" erscheint mit den deutschen Übersetzungen der Texte und mit den Bonusstücken "L'île intense" (Part 1&2) und "Enihcam".

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