COEUR DE PIRATE - Blonde

Release: 01/2012

Format: CD, Vinyl, Download

Tracks: 12

Catalogue:

LPM 33-1 (Vinyl+Download)

LPM 33-2 (CD)

LPM 33-3 (Bonus Edition)


TRACKS

Lève les voiles

Adieu

Danse et danse

Golden Baby

Ava

Loin d'ici

Les amours dévouées

Place de la République

Cap Diamant

Verseau

Saint-Laurent

La petite mort


Das YéYé-Girl der Generation Facebook

Sie bleibt sich treu und macht doch einen großen Sprung nach vorne. Coeur de pirate schreibt – zum wiederholten Male – Chanson-Geschichte.

Kaum ein Album wurde von der Chansonwelt mit solch großer Spannung erwartet, wie das zweite von Béatrice Martin, die sich als Sängerin den Künstlernamen Coeur de pirate zugelegt hat. Mit ihrem Debüt hat sie Grenzen gesprengt und mehr als 600.000 Alben verkauft. In Frankreich und ihrer Heimat Québec ist sie ein Superstar. Und im Rest der Welt lernt man Französisch, um ihre Lieder mitzusingen. Jetzt ist es endlich soweit und das neue Album der 22-jährigen erscheint. Mit „Blonde“ übertrifft Coeur de pirate alle Erwartungen und zementiert ihre Ausnahme-Stellung im internationalen Chanson. Poduziert wurde das Album von Howard Bilerman (Arcade Fire, Godspeed You Black Emperor, British Sea Power). Drehen wir die Zeit ein wenig zurück: Vor drei Jahren, als wir alle noch myspace-Seiten hatten, da stellte ein ganz normales Teenie-Mädchen mit dem Allerweltsnamen Béatrice Martin auf eben einer solchen Plattform ihre ersten Songs ins Netz. Und jetzt schauen wir uns an, was aus ihr geworden ist: Platin-Schallplatten, ausverkaufte Tourneen, Kaffee- Klatsch mit Karl Lagerfeld, Boulevard-Possen. Sogar alberne Jugendsünden wie längst vergessene Nacktbilder tauchten auf einmal auf. Der ganze Irrsinn einer explosionsartigen Erfolgsgeschichte samt Begleiterscheinungen. Und Mademoiselle Martin? Blieb cool. Nahm keine Drogen, ging studieren, schrieb weiter an neuen Songs, und tourte endlos durch Kanada und Frankreich. Sie nahm die Anforderungen des internationalen Musik-Zirkus denkbar gelassen und professionell an. Mit dem Ergebnis, dass ihre Karriere noch höhere Wellen schlug. Von ihrem ersten Deutschlandkonzert berichtete sogar das ZDF-Heute- Journal. Coeur de pirate stieg in kürzester Zeit nicht nur in die Elite des frankophonen Pop auf, sondern verdrehte auch der restlichen Welt den Kopf. Aus dem einfachen Mädchen, das daheim am Klavier Melodien bastelt, ist ein schillernder Chanson-Star geworden. In ihrer Heimat Québec hat man sie längst zum „trésor national“ ernannt. In Deutschland kletterte ihr Debüt-Album bis auf Platz 5 der iTunes-Charts. Und das ohne ausgiebige Tournee, TVWerbung oder Major-Label. Denn darauf kommt es ja gar nicht an. Das Geheimnis ihres Erfolgs liegt im Zauber ihrer Melodien und nicht in ausgefuchsten Management-Strategien. Den besten Beweis dafür liefert mit spektakulärer Lässigkeit „Blonde“. Von Erwartungsdruck keine Spur. Wie selbstverständlich schüttelt Coeur de pirate Hits aus dem Ärmel, lässt aus Chansons Popsongs werden, als wäre das sowieso das Gleiche. Die Unbekümmertheit ihresDebüt-Albums ist dabei immer noch präsent. Noch größer allerdings ist die Raffinesse, mit der Béatrice Martin Hits wie an einer Perlenkette aufreiht und ihr Label in den Wahnsinn treibt, weil sich das halbe Album als Radio-Single anbietet. Auch wenn durch intimere Stücke wie „Place de la Republique“, „Cap Diamant“ oder „La petite mort“ noch einmal klassisches Chanson durchscheint und an die minimaleren Arrangements des ersten Albums erinnert – die Richtung, die Béatrice Martin einschlägt, ist eine andere. „Lève les voiles“ singt der Kinderchor denn auch im Intro. „Hisst die Segel“. Coeur de pirate geht wieder auf Kaperfahrt – und nimmt dann gleich Tempo auf mit „Adieu“, der ersten Single. Klassischer 60ies Sound, ein genialer Groove und dann ihre Stimme – etwas voller und reifer als auf dem Vorgänger, doch immernoch mit dem jugendlichen Charme, zieht sie uns schon von der ersten Strophe an in den Bann. Eine Bridge führt zum hymnischen Refrain und es ist vollends um uns geschehen. Ein furioser Popsong, voller Drive, Witz und Eleganz. „Danse et danse“ knüpft da an, nimmt etwas gemächlicher Tempo auf und ist doch ein klassischer Kopfhörer-Song – tolle Arrangements samt Off-Beat, Walking-Bass und Folk- Riff. Aber all das unterstreicht letztendlich nur die Substanz und führt zum Kern des Albums: die Songs und Melodien, allesamt von Béatrice Martin selbst geschrieben. Wer beim Albumtitel „Blonde“ übrigens direkt an die Haarfarbe (und damit verbundene Klischees) denkt, liegt nicht ganz richtig. im Französischen heißt „Blonde“ auch Freundin und Gefährtin. Die Doppeldeutigkeit ist durchaus gewollt, denn Béatrice Martin lässt sich nicht gern auf einen Aspekt reduzieren. Das gilt mehr und mehr auch für ihre Musik. Wer jetzt noch nicht geplättet ist, wird es spätestens von „Golden Baby“ – so heißt übrigens auch ihr Blog mit 25.000 Visits in der Woche – mit dem sie 60iger und 70iger YéYé-Pop in die Neuzeit katapultiert. Eine Hymne für die Generation Facebook. Und dann „Ava“ – noch so ein Ohrwurm, samt praller Bläsersätze und Walzertakt. Coeur de pirate zieht auf „Blonde“ wirklich alle Register. Zeitlose Popmusik in Breitwandformat. Wie beim folgenden Stück „Loin d’ici“mit Duett-Partner Jimmy Hunt und Western-Gitarre. „Blonde“ ist im allerbesten Sinne ein eingängiges, abwechslungsreiches und mitreißendes Album. Nichts rauscht vorbei – alles bleibt hängen. Nach den gefühlvollen Chansons „Place de la Republique“ und „Cap Diamant“ trumpft Béatrice mit den beiden Hits „Verseau“ und „Saint-Laurent“ noch mal ganz groß auf, um mit dem Schlussstück für eine herzerweichende Ballade ans Klavier zurückzukehren.

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